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Interview: Jürgen Dostal über Konfliktkultur in Unternehmen

Aktualisiert: 8. Feb.




Interview: Jürgen Dostal über Konfliktkultur in Unternehmen

PROCONSENS.AT: Können Sie ein konkretes Beispiel aus Ihrer beruflichen Praxis teilen, in dem Mediation erfolgreich zur Konfliktlösung beigetragen hat?

 

Jürgen Dostal: Ich erzähle hier immer gerne, wie ich zur Mediation kam. Mich persönlich hat diese Form der Lösungsfindung sehr beeindruckt, als ich selbst Teil einen unternehmensintern Konflikts war. Zwei Bereiche mit je mit je 50 Personen standen sich hier in einem massiven Problem gegenüber. Die Kommunikation war bereits sehr erschwert. Das Unternehmen drohte Schaden zu nehmen, da sich die Parteien gegenseitig bereits untergraben und geschadet haben. Der Mediationsprozess dauerte nur eineinhalb Tage, wobei sich alle Beteiligten aus dem Unternehmenskontext herausnahmen und mal in Klausur gingen. Das Ergebnis war erstaunlich: Durch einfach Kommunikationsmaßnahmen wurden den Parteien sehr rasch klar, dass sie selbst Opfer von konkurrenzierenden Zielen der Geschäftsführung waren. Diese Erkenntnis hat zwar nicht tiefe Freundschaft aber Verständnis für die jeweils andere Position geschaffen. Mit sehr einfachen Vereinbarungen konnte die Zusammenarbeit zwischen den Einheiten in der Folge wieder gesichert werden.

 

PROCONSENS.AT: Hätte es hier nicht geholfen, dass das betroffene Unternehmen Maßnahmen zur Konfliktprävention und zur Förderung einer gesunden Kommunikationskultur implementiert?

 

Jürgen Dostal: Ich bin ein großer Fan davon, auf Dinge vorbereitet zu sein. Es ist gut, einen Plan zu haben, wenn Probleme im privaten Umfeld oder im Unternehmen auftreten. Ich halte aber wenig davon, Konflikte zu unterdrücken. Sehr oft liegen diese nicht ursächlich in den beteiligten Personen, wie es das eben geschilderte Beispiel zeigt. Wichtig ist es, Führungskräfte zu schulen, dass sie selbst in der Lage sind, Konflikte wahrzunehmen und damit auch proaktiv umgehen lernen. Denn in jeder Auseinandersetzung liegt eine große Chance zur Neuorientierung. Für Unternehmen kann das sogar eine Quelle für Innovation sein.

 


Interview: Jürgen Dostal über Konfliktkultur in Unternehmen

PROCONSENS.AT: Welche Maßnahmen ergreifen Sie, um sicherzustellen, dass die Ergebnisse einer Unternehmensmediation nachhaltig sind und langfristige positive Veränderungen bewirken?

 

Jürgen Dostal: Sie können sich als Entscheidungsträger in einem Unternehmen entscheiden, ob Sie rasch einen Brand löschen wollen oder ob Sie mittelfristig Konfliktkultur im Unternehmen aufbauen wollen. Wir stehen für beides zur Verfügung. Unsere Erfahrung ist, dass Unternehmen oft erstaunt sind, welches Potenzial aus der Lösung eines einzigen Konflikts frei wird. Diese Chance auf eine breite Grundlage zu stellen, wird von immer mehr Unternehmen als Chance für die Zukunft gesehen.

 

PROCONSENS.AT: Können Sie uns ein wenig mehr über Konfliktkultur erzählen?

 

Jürgen Dostal: Die Konfliktkultur eines Individuums, einer Gruppe oder Organisation bezieht sich auf die Art und Weise, wie Konflikte wahrgenommen, angegangen und gelöst werden. Eine positive Konfliktkultur fördert offene Kommunikation und kooperative Lösungen. Sie ermutigt zur konstruktiven Nutzung von Differenzen, anstatt diese zu vermeiden oder zu unterdrücken. Eine gesunde Konfliktkultur schafft Raum für vielfältige Perspektiven, stärkt das Vertrauen und ermöglicht nachhaltige Beziehungen. Durch den respektvollen Umgang mit Meinungsverschiedenheiten wird Konflikt als Chance zur Weiterentwicklung betrachtet. Das Team von PROCONSENS.AT ist angetreten, die Voraussetzungen dafür in die Unternehmen hineinzutragen. Das hat viel mit der Änderung von Einstellungen zu tun. Letztendlich muss dafür aber auch Infrastruktur, Training uvm. bereitgestellt werden.




Interview: Jürgen Dostal über Konfliktkultur in Unternehmen

 

PROCONSENS.AT: Welchen abschließenden Tipp haben Sie für Führungskräfte von Unternehmen in dieser Sache?

 

Jürgen Dostal: Stellen Sie Ihre eigene Form der Kommunikation infrage. Damit meine ich nicht, dass Sie selbst Ihren Mitarbeitern nicht ausreichend Information geben. Sondern: Sind Sie sicher, dass Sie selbst in kritischen Situationen alle relevanten Informationen rechtzeitig erhalten? Was wird in der Hierarchie weggefiltert, wie verhält sich das Konfliktpotenzial in der Grundgesamtheit der Mitarbeiter? Um hier eine neue Perspektive zu erhalten, kann ein Blick von außen sehr ratsam sein.


PROCONSENS.AT: Jürgen Dostal, danke für das Interview. Ich hoffe, dass Unternehmen von Ihrem Ansatz zur Konfliktkultur profitieren werden.

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