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Machen Konflikte am Arbeitsplatz krank? 2x5 Handlungsempfehlungen

Aktualisiert: 11. März

Immer mehr Unternehmen versuchen Mitarbeiter*innen mit besonderen Leistungen zu gewinnen: Bio-Obst, Yoga, Kinderbetreuung und Hund-freundliche Büros, um nur einige zu nennen. Doch noch immer gibt es wenige strukturierte Maßnahmen der Unternehmen, Konflikten und Mobbing vorzubeugen und damit auch ein gesundes Arbeitsklima für die Psyche zu schaffen. Das hat drastische Folgen für Mitarbeiter*innen und Unternehmen gleichermaßen.


Konflikte am Arbeitsplatz


Studie zeigt ökonomische Auswirkung

Eine aktuelle Studie aus der Schweiz zeigt den schwerwiegenden Zusammenhang zwischen Konflikten und Krankenständen: 57 % der psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeiten entstehen durch Konflikte am Arbeitsplatz. Psychisch bedingte Ausfallzeiten dauern durchschnittlich fast 7 Monate und führen in 95 % der Fälle zu Vollzeit-Krankschreibungen. Diese Daten stammen aus einer repräsentativen Studie von WorkMed im Auftrag der SWICA-Gesundheitskasse, basierend auf 1.350 Krankentaggeld-Dossiers von psychisch erkrankten Arbeitnehmenden.


In Österreich weist das Bundesministerium für Arbeit und Soziales den Anteil psychisches Erkrankungen mit 16,6 % (BKK Gesundheitsreport, 2018) aus, wobei die Arbeiterkammer OÖ in den letzten 10 Jahren eine Verdoppelung der betroffenen Personen beobachtet. Auf Basis dieser Daten bzw. Schweizer Studienergebnisse wären in Österreich rund 40.000 Personen jährlich betroffen, mit 11 Mio. Tagen an Krankenständen.


Wer ist betroffen?

Konflikte am Arbeitsplatz können in jeder Branche auftreten, unabhängig von der Art der Tätigkeit. Es gibt keine spezifische Branche, die besonders anfällig für Konflikte ist, da die Ursachen vielfältig sein können und von den individuellen Arbeitsbedingungen, der Unternehmenskultur und den Persönlichkeiten der Mitarbeiter*innen abhängen. Konflikte können in Branchen mit hoher Arbeitsbelastung, strengen Hierarchien oder starker Teamarbeit jedoch möglicherweise häufiger auftreten. Führungskräfte können sich dem genauso wenig entziehen wie Mitarbeiter*innen. Wir sind früher oder später alle davon betroffen. Aber nicht jedermann/frau ist in der Lage, mit Konflikten gleichermaßen umzugehen.


Welche Maßnahmen können Sie als Mitarbeiter*in selbst setzen?

Als Mitarbeiter*in sind Sie von Konflikten unmittelbar betroffen. Jetzt geht es nicht nur darum, Ihren Standpunkt klarzumachen, sondern vor allem darum, keinen persönlichen Schaden zu erleiden. Bei fortschreitender Eskalation kann es sonst zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Hier 5 Tipps, wie Sie sich der Situation stellen können:

  • Finden Sie einen Ausgleich zu den Belastungen und versuchen Sie sich auf andere Themen zu konzentrieren. Lassen Sie nicht zu, dass der Konflikt Sie dominiert. Das kann auf ganz unterschiedliche Weise funktionieren. Ich selbst habe sehr positive Erfahrungen mit Laufen gemacht. Es kann aber auch eine neue Aufgabe sein, die Ihnen Freude bereitet. Setzten Sie ganz bewusst ein Gegengewicht ein.

  • Führen Sie ein Logbuch und notieren Sie Ihre persönlichen Gedanken und Gefühle. Schreiben Sie sich frei.

  • Suchen Sie Menschen, die Ihnen zuhören. Achten Sie jedoch darauf, keine Seilschaften zu bilden, denn das führt Sie direkt in die Eskalationsspirale. Vermeiden Sie dabei Personen, die Ihnen "nach dem Munden reden". Umgeben Sie sich mit Menschen, die Ihnen eine positive Energie vermitteln.

  • Sprechen Sie gegenüber den Konfliktbeteiligten die Situation an. Unter Umständen ist diesen die Tragweite aus deren persönlicher Perspektive nicht bewusst. Werden Sie Herr/Frau der Situation und schlagen Sie ein Schlichtungsverfahren vor. Warten Sie nicht zu lange zu.

  • Fordern Sie aktiv Hilfe von Ihren Vorgesetzten ein bzw. wenden Sie sich an die Arbeitnehmervertretung. Treten Sie nicht die Flucht nach hinten an, indem Sie alleine die Verantwortung zu tragen glauben.


Wie können Arbeitgeber vorsorgen?

Als Führungskraft bzw. Arbeitgeber*in sind Sie aufgefordert, für Ihre Mitarbeiter*innen Sorge zu tragen, wobei es hier nicht nur um die Optimierung der Profitabilität für das Unternehmen geht, das Sie vertreten. Wir alle tragen hier eine ethische und gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Hier 5 einfache Prinzipien, wie Sie eine offene Konfliktkultur schaffen können:

  • Mitarbeiter fühlen sich selbst schuldig, wenn sie einen Konflikt thematisieren. Bekennen Sie sich vor Ihren Mitarbeitern offen dazu, dass es Konflikte geben kann und darf.

  • Sehen Sie hin und fragen Sie aktiv nach. Schaffen Sie ein Klima des Vertrauens. Bauen Sie zuerst eine Brücke zwischen den Mitarbeitern und Ihnen und erst hernach eine Brücke unter den Mitarbeitern.

  • Lassen Sie Konflikte zu, aber lassen Sie sie nicht wachsen und in ihrer Eskalation fortschreiten. Sehen Sie diese immer auch als Chance für das Unternehmen.

  • Bilden Sie Ihre Führungskräfte zur richtigen Konfliktgesprächsführung aus. Meine Kollegin Annette Behrendt wird im nächsten Blog-Beitrag näher darauf eingehen.

  • Geben Sie den Mitarbeitern Werkzeuge zur Beilegung von Konflikten in die Hand (z. B. ein Kontingent an Mediationsbetreuung).


Unterstützung durch die Unternehmen und eigene Resilienz werden immer wichtiger, wenn wir mit Freude arbeiten und Konflikte am Arbeitsplatz vermeiden wollen.


Autor: Jürgen Dostal





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