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NEULICH in der Deutschen Bahn – eine Konflikt-Story aus dem Alltag

„Hunds-Unfreundlich oder warum man in der Deutschen Bahn auf jeden Fall die Currywurst versuchen sollte."


21. August 2025, ICE 92, am Weg von Wien nach Berlin.

Ich habe den hehren Plan, mich im Speisewagen der Deutschen Bahn mit einer Currywurst (vegan, versteht sich – Berlin ruft) einzustimmen. Das ist eines meiner Rituale am Weg nach Berlin. Neben mir, unter dem Tisch, mein Kleinhund – brav, leise, unschuldig. Kaum größer als das durchschnittliche Bordmagazin.

Doch offenbar ist dies eine Todsünde, schlimmer noch als Schwarzfahren oder die Benutzung des Bord-WLANs, das ohnehin nie funktioniert.

Denn Hunde im Speisewagen? Verboten.



Warum Sie in der Deutschen Bahn trotzdem die Currywurst versuchen sollten.
Warum Sie in der Deutschen Bahn trotzdem die Currywurst versuchen sollten.

Natürlich ohne Hinweis, Sticker oder sonstige Kundeninformation. Für ein solches Verbot gibt es im Gegensatz zu den mannigfaltigen anderen Verboten keine Auszeichnung, keine Piktogramm-Ehrung an der Tür. Nein, der Regelbruch wird stillschweigend erwartet – um ihn anschließend mit maximalem Ernst bestrafen zu können.


Der Auftritt der Kerkermeisterin

Die Servicekraft – in Uniform und mit einer bemerkenswerten Technik, Gäste durch die rückwärtige Darbietung ihrer Dienstkleidung vom Mikrowellen-Stützpunkt aus zu ignorieren – nimmt sich meiner an. Mit dem Charme einer Kerkermeisterin verkündet sie: „Das ist verboten!“. Sie deutet dabei auf das Das, meinen Hund.


Ich gebe mich zerknirscht, und fühle mich ertappt. Ist das bereits ein vorauseilendes Schuldeingeständnis? Ich frage höflich, wo ich dieser Bestimmung jemals zugestimmt hätte. Schließlich klickt man sich heute täglich durch neue AGBs: Ticketshop, App, BahnCard, Bonusprogramm. Da übersieht man schon einmal, ob das Kleinhundeverbot nicht doch irgendwo zwischen „Datenschutzerklärung“ und „Reisekostenrichtlinie für Beamte im mittleren Dienst“ versteckt ist. Wahrscheinlich hatte ich blind zugestimmt, bevor mich der Dschungel an Paragrafen unter dem endlosen Kleingedruckten begraben konnte.

Die Dame aber gibt nicht klein bei. Nein, sie greift – und das verdient Respekt – zu einem Handbuch in der Größe eines Telefonbuchs von 1983. Blättert, blättert, blättert. Findet: nichts.


Google, dein Freund und Helfer

Erst der Griff zum Dienst-Handy bringt den Durchbruch. Google liefert einen nichtssagenden Absatz, der auch aus den AGBs einer Molkerei stammen könnte. Triumphierend hält sie mir das Display entgegen, als hätte sie soeben den Heiligen Gral gefunden.

Widerspruch? Zwecklos. Die Begründung: „Alle anderen Gäste haben das auch schon akzeptiert.“ Ah, ja. Jetzt kann ich das bedeutet besser nehmen. Man fühlt sich im Kreis anderer Delinquenten gleich viel besser.


Und damit präsentiert sie erneut ihre Rückseite – offenbar offizielles Dienstzeichen der Deutschen Bahn, Abteilung Service, und klares Zeichen für Ignoranten und Gesetzesbrecher wie mich, dass man/frau nicht gedenkt, das Gespräch fortzuführen, geschweige denn eine Bestellung entgegenzunehmen.


Der verpasste Hinweis

Ein Hinweis, dass man auch vom Sitzplatz aus bestellen könnte, wäre an dieser Stelle durchaus hilfreich gewesen. Doch hier ist man in Deutschland. Und in Deutschland gilt: Verbote zuerst, Service vielleicht irgendwann.

Es ist diese einzigartige Mischung aus deutscher Genauigkeit und Servicewüste, die es möglich macht, dass man mehr Vorschriften als Passagiere im Zug hat, aber dennoch niemand weiß, wie man einen Kaffee heiß und innerhalb von 20 Minuten serviert bekommt.


Epilog im Zugabteil der Deutschen Bahn

Ich trotte zurück zu meinem Platz, Hund unter dem Arm, Appetit im Keller. Am Platz angekommen entdecke ich den QR-Code des Bistro-Menüs: Und da ist sie, die Information: Eine Online-Bestellung aus der Menükarte des Bordbistros mit Service am Sitzplatz ist möglich, allerdings nur über das bahneigene WLAN – schneller graben Sie einen zehn Meter tiefen Brunnen, als Zugang zu diesem WLAN zu erhalten. Der fliegende Kellner erbarmt sich meiner und nimmt auch so meine Bestellung auf. Geht doch.


Und so schließt sich der Kreis im deutschen Schienenkosmos: In Regensburg verkündet die Durchsage mit weiblicher Stimme stoisch, es gebe keine Prognose, wann es weitergeht. Spielende Kinder seien am Gleis – wo genau, wisse man leider nicht. Ich frage mich, ob das zu viel oder zu wenig Information ist. 🤪


In meinem „Silent Abteil“ sitzt währenddessen eine betagte Dame, die seit zwanzig Minuten ihre Lebensgeschichte vor dem Hintergrund ihren drei akademischen Söhne erzählt und dabei den Verfall der deutschen Gesellschaft genörgelt. Ein Monolog, der jedoch die Borddurchsage durchaus den Grad an Relevanz abläuft.


Und genau hier liegt das Dilemma der Deutschen Bahn: Zwischen deutscher Regelwut, technischer Hilflosigkeit und menschlicher Kakophonie entsteht eine Kultur, in der alles geregelt, nichts geklärt und jeder Reisende zum Statisten eines absurden Improtheaters wird.


Mahlzeit – ich lasse mir die mittlerweile servierte Currywurst schmecken. Von dieser bin ich so begeistert, dass ich vielen Freunden schon die Deutsche Bahn empfohlen habe.


Konflikt-Barometer 

Involvierte Personen:

🧨

Eskalation:

🧨

Relevanz:

🧨🧨

Mögliche Empathie:

🕊🕊

Lösungsoptionen:

🕊🕊🕊

Erzielbarer Kompromiss:

🕊🕊🕊


Der Autor erlaubt sich in der Verarbeitung persönlicher Konflikte Mitteln der Satire. Das Konflikt-Barometer ist der nicht wissenschaftliche Versuch einer Bewertung von Konfliktsituationen. Es können je nach Ausprägung bis zu 3 Dynamitstangen bzw. Friedenstauben vergeben werden. 


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