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NEULICH unter dem Weihnachtsbaum

Neulich, Weihnachten bei Familie M. Es war anders. Ungewöhnlich anders. Da war er: der weihnachtliche Friede – in der Form einer Kinderküche. Ansonsten lag unter dem Weihnachtsbaum kein Geschenkberg. Niemand stolperte über Kartons, kein hektisches Aufreißen von Verpackungen, kein sich türmender Müllberg. Der Weihnachtsbaum war nicht länger bloße Kulisse für Geschenke. Er spielte wieder eine tragende Rolle. Für den Schmuck, den die Familie über Jahre gesammelt hatte. Die Küche hingegen übernahm eine andere Funktion: Sie wurde zur Grundlage einer Gender-Diskussion.


Worum wir unser Benehmen an den Zeitgeist anpassen müssen und ich darauf keinen Bock habe.
Warum eine Puppenküche noch keine gute Hausfrau macht.

Das war kein Zufall. Schon eher ein Akt von wohlüberlegter weihnachtlicher Besonnenheit. Die Entscheidung, die Geschenke für die Kleinkinder auf je ein Geschenk pro Kind zu reduzieren, war mit Risken versehen gewesen. Mit hochexplosiven. Schließlich wollte nicht nur die Eltern, sondern auch Tanten, Paten, angeheiratete Schwägerinnen und kaufkräftige Großeltern ihre Gunst auf die wenigen Abkömmlinge der geburtenschwachen Jahrgänge konzentrieren. Aber man hatte sich der Herausforderung gestellt. Zur Vorgeschichte. Die Entscheidung hatte ein Ereignis in der Vergangenheit als Grundlage, das man in dieser Familie mittlerweile nur noch mit einer Mischung aus Humor und leiser Erschöpfung erinnert. Damals, als ein Kind – ein anderes Kind – unter eben so einem Geschenkberg saß und den Baum keines Blickes würdigte. Nicht glücklich. Nicht dankbar. Sondern überfordert. Reizüberflutet. Emotional erledigt, bevor der Abend überhaupt begonnen hatte. Der Abend endete, wie solche Abende enden: mit Tränen, Diskussionen und dem festen Vorsatz, „nächstes Jahr alles anders zu machen“.


Also war es neulich anders.

Statt Geschenkeflut gab es eine Einigung. Keine einfache Einigung: ein gemeinsames Geschenk sollte es sein. Nachdem die Familienangehörigen in Verhandlungen eingetreten waren - vergleichbar mit einem G8-Treffen - machte ein Vorschlag das Rennen: eine Kinderküche. Traumküche statt Trauma

Was dann unter dem Baum lag, ist der Traum aller Kinder, die frühzeitig an ihrer Karriere als Sternkoch/köchin arbeiten wollen: Kau-, kratz- und lutschfest. Das verwendet Holz natürlich mit ökologischem Footprint Holztorte mit Holzkerzen und Holzerdbeeren. Gemüse aus kompostierbarer Pappe. Geschirr aus recyceltem Plastik. Kurz: eine Küche, die so nachhaltig war, dass es vergessen ließ, dass der Weihnachtsbaum wohl kaum die nächste Woche überleben würde.

Das Ergebnis war irritierend erfolgreich. Kein Drama. Kein Wutanfall. Kein emotionaler Zusammenbruch in der Verpackungsschlacht. Das beschenkte Kind verschwand förmlich in dieser Küche und tauchte stundenlang nicht mehr auf. Es wurde gekocht, serviert, nachgelegt. Was kurzzeitig auch eine positive Auswirkung auf die Familienidyll hatte: Die Familie aß brav mit, lobte ausdauernd und entwickelte erste Anzeichen eines kollektiven Schein-Diabetes durch übermäßigen Holz­tortenkonsum.

Doch kein Idyll ohne alternative Diskussion.

Tage später kam auch sie. Die Diskussion. Leise zuerst. Dann klarer formuliert: „Aha. So werden also Mädchen früh in patriarchale Rollenbilder gedrängt.“ So hat jede Zeit eben ihre eigenen Themen. Früher hätte sie wohl gelautet: "Was, ein Bub spielt doch damit nicht. Was soll denn aus dem werden?" Das ließ mich kurzzeitig an mein eigenes Scheitern denken. Nicht neulich, sondern 30 Jahre zuvor. Progressiv im Gender-Denkansatz hatte ich meiner eigenen Tochter eine Carrera-Autobahn geschenkt. Verleumderisch, wer hier denkt, da hätte Eigennutz dahintergesteckt. Was soll ich sagen: Meine Tochter wollte meinen Denkansatz nicht folgen, weswegen ich gezwungen war, mich dem Traum meiner eigenen Kindheit alleine hinzugeben.


Wie dem auch immer sei: Eine Küche ist erst dann weiblich, wenn Erwachsene sie dazu erklären. Und ein Mädchen wohl mehr dadurch zum Dasein eine Hausfrau vorbestimmt, weil die Notwendigkeit einer Haushaltsführung den männlichen Nachkommen in geringerem Ausmaß herangetragen wird. Auch von jenen, die diese Diskussion führen. Macht doch mal die Probe auf's Exempel: Wenn dein Jungmann mit 12 Jahren noch immer nicht den Teller in den Geschirrspüler stellen kann, dann ist eine Puppenküche das beste Werkzeug zu seiner Sozialisierung.

Mein Plädoyer an alle Erziehung-Interessierten: Schenkt Puppenküchen und keine Auto-Rennbahnen. Die wenigsten der künftigen Beziehung profitieren von Wissen um einen Dive-Bomb (Überholmanöver in der Formel 1) als vielmehr von einem Boxenstop in der Küche.

Konflikt-Barometer 

Involvierte Personen:

🧨

Eskalation:

🧨

Relevanz:

🧨🧨🧨

Mögliche Empathie:

🕊🕊

Lösungsoptionen:

🕊🕊🕊

Erzielbarer Kompromiss:

🕊🕊🕊


Der Autor erlaubt sich in der Verarbeitung persönlicher Konflikte Mitteln der Satire. Das Konflikt-Barometer ist der nicht wissenschaftliche Versuch einer Bewertung von Konfliktsituationen. Es können je nach Ausprägung bis zu 3 Dynamitstangen bzw. Friedenstauben vergeben werden. 


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